Ein Projekt des Tumor Zentrum Berlin e.V.

Hodenkrebs

Fragen und Antworten

1. Hodenkrebs – was ist das?

1.1 Gibt es einen Unterschied zwischen "Hodenkrebs", "Hodentumor", "Keimzelltumor" oder "Hodenkarzinom"?

Nein. Alle Begriffe meinen in der Regel das Gleiche und sind austauschbar: Sie bezeichnen eine bösartige Entartung des Hodengewebes.

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1.2 Was ist Hodenkrebs?

Hodenkrebs ist eine bösartige Gewebswucherung, die von den Keimzellen (Vorläuferzellen der Spermien) beim Mann ausgeht. Bösartig nennt man Hodenkrebs deshalb, weil dieser Tumor ohne Behandlung das gesunde Hodengewebe zerstört und sich rasch in alle Organe des Körpers ausbreiten kann.

Mit einer Behandlung kann Hodenkrebs bei den meisten Patienten dauerhaft geheilt werden. Ohne Behandlung ist Hodenkrebs immer tödlich.

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1.3 Gibt es unterschiedliche Formen des Hodentumors?

Ja. Je nach Art des Tumorgewebes wird Hodenkrebs in "Seminome" und "Nichtseminome" eingeteilt. Nichtseminome lassen sich weiter unterteilen in z.B. embryonales Karzinom, Dottersacktumor oder andere Mischtumoren. Diese Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil sich die Behandlung von Hodenkrebs je nach Art des Tumorgewebes unterscheidet.

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1.4 Ist Hodenkrebs häufig?

Hodenkrebs ist eine seltene Tumorart. Etwa 9 von 100.000 Männer in Deutschland sind pro Jahr betroffen. Diese Zahlen basieren auf Schätzungen des Saarländischen Krebsregisters. Genaue Zahlen könnten nur durch die Dokumentation nahezu aller Erkrankungsfälle (ca. 95%) in den einzelnen Bundesländern gewonnen werden. Leider ist die vorliegende Dokumentation auch für das Land Berlin zu unvollständig, um die tatsächliche Zahl der jährlichen Neuerkrankungen zu benennen. Siehe Statistik.

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1.5 Wer bekommt Hodenkrebs und gibt es Risikofaktoren?

Hodenkrebs tritt meistens im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf und ist in dieser Altersgruppe die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Seltener können jedoch auch jüngere oder ältere Männer erkranken.

Die Ursachen für die Entstehung von Hodenkrebs sind unklar. Man weiß jedoch, dass der Hodenhochstand ("Maldescensus testis") ein Risikofaktor für die Entstehung von Hodenkrebs ist. Bei 95% der betroffenen Männer tritt Hodenkrebs nur an einem Hoden auf. Sind die Hoden gar nicht betroffen und entsteht die Erkrankung aus versprengtem Hodengewebe außerhalb des Hodens, spricht man von "extragonalem Keimzelltumor".

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2. Wie wird Hodenkrebs erkannt – Möglichkeiten der Früherkennung und Diagnostik

2.1 Kann ich Hodenkrebs selbst erkennen?

Ja. Die meisten Männer bemerken die ersten Anzeichen von Hodenkrebs selbst. Typische Beschwerden können sein:

Bei fortgeschrittener Erkrankung können folgende Beschwerden auftreten:

Bei Ausbreitung der Erkrankung können jedoch eine Vielzahl weiterer Beschwerden hinzukommen.

Je früher ein Hodenkrebs erkannt wird, desto einfacher ist dessen Behandlung, und desto besser sind die Heilungsaussichten. Am besten ist es, in regelmäßigen Abständen in entspannter Stellung (z.B. unter der Dusche, in der Badewanne) beide Hoden vorsichtig abzutasten.

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2.2 Was soll ich tun, wenn ich etwas auffälliges am Hoden entdecke?

Suchen Sie Ihren behandelnden Hausarzt bzw. einen Urologen auf!

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2.3 Was wird der Arzt tun?

Zunächst führt der Arzt eine ausführliche Befragung zu ihren Beschwerden und eine genaue körperliche Untersuchung durch. Insbesondere ist ein genaues Abtasten ("Palpation") der Hoden notwendig. Danach wird eine Ultraschalluntersuchung der Hoden durchgeführt.

In Blutuntersuchungen wird nach sogenannten "Tumormarkern" gefahndet. Diese können im Blut von Patienten mit Hodenkrebs erhöht sein. In der Regel können diese einfachen Untersuchungen bereits den Verdacht auf Hodenkrebs entkräften oder bestätigen.

Stellt der Urologe die Verdachtsdiagnose Hodentumor, erfolgt die Einweisung in ein geeignetes Krankenhaus.

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3. Therapie der Hodentumoren

3.1 Was passiert im Krankenhaus?

Sofern sich der Verdacht auf Hodenkrebs bestätigt, muß eine operative Freilegung des verdächtigen Hodens erfolgen, und der betreffende Hoden komplett entfernt werden ("Orchidektomie"). In der Regel wird diese im Krankenhaus unter Vollnarkose durchgeführt. Langfristige Nebenwirkungen wie Impotenz, Unfruchtbarkeit oder eine Beeinträchtigung des sexuellen Empfindens treten durch diese Operation nicht auf, da der gesunde Hoden der Gegenseite die Funktion des entfernten Hodens übernimmt.

Erst die feingewebliche Untersuchung des entfernten Hodens durch den Pathologen kann die Diagnose sichern. Diese "histologische Untersuchung" gibt zudem Informationen über die Art des Tumorgewebes und die Ausbreitung des Tumors im Hoden selbst.

Die Hodenentfernung oder Orchidektomie ist ein wichtiger Schritt bei der Behandlung des Hodenkrebs.

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3.2 Wie geht es nach der Operation weiter?

Meist dauert die feingewebliche (histologische) Untersuchung einige Tage. Als nächster wichtiger Schritt folgt die sog. Ausbreitungsdiagnostik. Hierbei soll geklärt werden, ob sich bereits Metastasen im Körper abgesiedelt haben. Dazu ist eine "Computertomographie (CT)" von Lunge und Bauchraum erforderlich. Manchmal sind weitere ergänzende Untersuchungen notwendig. Erneute Blutuntersuchungen dienen dazu, den Verlauf der Tumormarker nach der Hodenentfernung zu verfolgen, wenn diese vor der Operation erhöht waren.

Erst mit den Ergebnissen aller dieser Untersuchungen, kann die Einteilung von Hodenkrebs in "Tumorstadien" erfolgen, die über Art, Ausmaß und Dauer der Behandlung bestimmen.

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3.3 Welche Tumorstadien gibt es?

Vereinfacht kann man Hodenkrebs in drei Tumorstadien aufteilen. Im frühesten, ersten Stadium hat die Erkrankung nur den Hoden selbst befallen und sich noch nicht im Körper ausgebreitet.

Die Erkrankung breitet sich dann in der Regel zunächst in die Lymphknoten des Bauchraumes aus. In diesem zweiten Stadium sind keine Lymphknoten außerhalb des Bauchraumes oder andere Organe befallen. Im dritten Stadium kann Hodenkrebs über den Blutkreislauf Lymphknoten außerhalb des Bauchraumes und jedes Körperorgan, vor allem die Lunge, die Leber, das Gehirn und das Knochenskelett befallen.

Wichtig ist jedoch: Hodenkrebs kann in jedem Stadium geheilt werden! Auch in den fortgeschrittenen Tumorstadien und bei Befall von Körperorganen. Nur: Je früher Hodenkrebs erkannt wird, und je weniger weit sich die Krankheit im Körper ausgebreitet hat, desto einfacher ist die Behandlung und desto besser sind die Aussichten auf dauerhafte Heilung.

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3.4 Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei der Behandlung von Hodenkrebs stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung, die je nach Art des Tumorgewebes und der Ausbreitung der Erkrankung eingesetzt werden. Fast immer wird zunächst die Hodenentfernung durchgeführt: Der befallene Hoden wird über einen Schnitt in der Leiste entfernt. Nachfolgende Therapien sind von der Tumorart und dem Stadium abhängig.

Mit einer "Strahlentherapie" können kleinere Absiedlungen von Hodenkrebs in den Lymphknoten des hinteren Bauchraumes behandelt werden. Dies trifft insbesondere für Seminome zu.

Eine "Chemotherapie" wird bei Hodenkrebs in der Regel dann eingesetzt, wenn sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet hat. Oft ist eine Kombination von Operation, Strahlentherapie und/oder Chemotherapie notwendig.

Zusätzliche Operationen können notwendig sein, um befallene Lymphknoten im hinteren Bauchraum oder Metastasen zu entfernen.

Die richtige Auswahl der verschiedenen Behandlungsmethoden ist kompliziert und muß daher ausschließlich von einem Arzt durchgeführt werden, der über Erfahrungen in der Behandlung von Hodentumoren verfügt. Nur dann ist sichergestellt, dass die besten Erfolge erzielt werden können.

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3.5 Wie ist die Therapie beim Seminom?

Werden beim Seminom nach der Hodenentfernung keine Metastasen nachgewiesen oder liegen nur kleine Metastasen vor, wird eine Strahlentherapie der Lymphknoten des Bauchraumes durchgeführt. Die Bestrahlung erfolgt in der Regel ambulant und wird gut vertragen.

Im Stadium I, d.h. es sind keine Lymphknoten befallen, erfolgt lediglich eine prophylaktische Bestrahlung der Lymphknoten entlang der Bauchschlagader, da hier in der 1. Lymphabflussstation ein gewisses Rezidivrisiko besteht, das durch eine relativ niedrig dosierte Bestrahlung von 26 Gy deutlich gesenkt werden kann.

Eine Alternative ist die "watch and wait"-Strategie, die jedoch eine hohe Verlässlichkeit des Patienten in der Nachsorge voraussetzt. Dabei wird in engen Intervallen der Verlauf der Erkrankung kontrolliert. Bei Auftreten eines Fortschreitens der Tumorkrankheit ist dann meist eine Chemotherapie notwendig.

Konnten Lymphknotenmetastasen von unter 5 cm Größe computertomografisch ("CT") nachgewiesen werden, erfolgt eine Bestrahlung sowohl der Bauch- als auch der Beckenlymphbahnen auf der Seite des Tumorbefalls. Die Dosis beträgt 30 Gy bei Lymphknoten unter 2 cm Durchmesser (Stadium II A) und 36 Gy bei einer Größe von 2 bis 5 cm.

Liegt ein fortgeschrittenes Stadium mit Lymphknotendurchmesser oberhalb von 5 cm vor, oder ist die Erkrankung in Organe wie Lunge, Leber oder Skelett vorgedrungen, muss in jedem Fall und möglichst rasch eine Chemotherapie begonnen werden. Diese erfolgt zumeist stationär. Die Nebenwirkungen sind je nach Ausmaß und Dauer der Chemotherapie unterschiedlich.

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3.6 Wie ist die Therapie des Nichtseminoms?

Bei Nichtseminomen im sehr frühen Stadium, d.h. nur der Hoden ist befallen, erfolgt nach der Hodenentfernung entweder die operative Entfernung der Lymphknoten des hinteren Bauchraumes oder eine Chemotherapie. Eine Alternative dazu ist die ausschließliche engmaschige Überwachung ("watch and wait"). Dieses Vorgehen sollte aber nur unter speziellen Voraussetzungen durchgeführt werden und durch Ärzte erfolgen, die mit der Behandlung von Hodentumoren erfahren sind.

Sollten vergrößerte Lymphknoten im Bauch vorhanden sein, ist entweder die operative Entfernung oder eine Chemotherapie notwendig. Im fortgeschrittenen Stadium mit großen Lymphknoten im Bauchraum und/oder Tumorabsiedlungen in der Lunge oder anderen Organen ist eine Chemotherapie unumgänglich. Diese sollte unbedingt in einem spezialisierten Krankenhaus durchgeführt werden. Zur Zeit existiert zu dieser Therapie keine Alternative. Abweichungen von diesem Vorgehen vermindern nach dem derzeitigen Wissensstand die Heilungsaussichten erheblich.

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3.7 Welche Heilungschancen habe ich?

Wenn man alle Stadien zusammenfasst liegt die Heilungschance bei 94%.

Sie unterscheidet sich natürlich in einzelnen Tumorstadien. Ihr Arzt wird Sie darüber informieren.

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3.8 Wie lange dauert die Therapie?

Ist eine Chemotherapie notwendig, so ist die Behandlungsdauer von der Anzahl der Therapiezyklen abhängig. Über die bei Ihnen in Frage kommende Therapie informiert Sie der behandelnde Arzt.

Die Strahlentherapie wird in Abhängigkeit von der erforderlichen Dosis 2-4 Wochen dauern und wird an 5 Tagen pro Woche durchgeführt.

Eine operative Entfernung von Lymphknoten, Metastasen oder Restbefunden nach einer Chemotherapie erfordert bei unkompliziertem Verlauf einen Krankenhausaufenthalt von ca. 2 Wochen.

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3.9 Wird die Zeugungsfähigkeit durch die Behandlung beeinträchtigt?

Häufig besteht bei Patienten mit einem Hodentumor eine eingeschränkte Zeugungsfähigkeit ("Fertilität").

Nach einer Chemotherapie kommt es abhängig von der Anzahl der Zyklen zu einer Schädigung der Spermienbildung. Diese ist allerdings bei den meisten Patienten reversibel. Bei der Bestrahlung ist diese Schädigung dosisabhängig. Auch die Entfernung von Lymphknoten des hinteren Bauchraumes ("RLA") kann die Zeugungsfähigkeit durch einen Verlust der Ejakulation beeinträchtigen.

Vor einer Chemo-, Strahlen- oder operativen Therapie können Spermien durch Einfrieren (Kryokonservierung) konserviert werden.

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4. Was passiert in der Tumornachsorge?

Auch die Nachsorge erfolgt differenziert nach dem jeweiligen Stadium. Sie umfasst die körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen, Röntgen und CT-Untersuchungen nach festgelegten Zeitintervallen um ein eventuelles Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen.

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5. Welche Möglichkeiten der Rehabilitation gibt es?

Nach einer Chemotherapie/Operation besteht die Möglichkeit einer Anschlußheilbehandlung (AHB). Hierzu kann bereits im Krankenhaus durch Mitarbeiter des Sozialdienstes eine Anmeldung erfolgen. Die behandelnden Ärzten füllen die notwendigen Anträge aus.

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