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Was passiert im Krankenhaus?
Sofern sich der Verdacht auf Hodenkrebs bestätigt, muß eine operative Freilegung des verdächtigen Hodens erfolgen, und der betreffende Hoden komplett entfernt werden ("Orchidektomie"). In der Regel wird diese im Krankenhaus unter Vollnarkose durchgeführt. Langfristige Nebenwirkungen wie Impotenz, Unfruchtbarkeit oder eine Beeinträchtigung des sexuellen Empfindens treten durch diese Operation nicht auf, da der gesunde Hoden der Gegenseite die Funktion des entfernten Hodens übernimmt.
Erst die feingewebliche Untersuchung des entfernten Hodens durch den Pathologen kann die Diagnose sichern. Diese "histologische Untersuchung" gibt zudem Informationen über die Art des Tumorgewebes und die Ausbreitung des Tumors im Hoden selbst.
Die Hodenentfernung oder Orchidektomie ist ein wichtiger Schritt bei der Behandlung des Hodenkrebs.
Wie geht es nach der Operation weiter?
Meist dauert die feingewebliche (histologische) Untersuchung einige Tage. Als nächster wichtiger Schritt folgt die sog. Ausbreitungsdiagnostik. Hierbei soll geklärt werden, ob sich bereits Metastasen im Körper abgesiedelt haben. Dazu ist eine "Computertomographie (CT)" von Lunge und Bauchraum erforderlich. Manchmal sind weitere ergänzende Untersuchungen notwendig. Erneute Blutuntersuchungen dienen dazu, den Verlauf der Tumormarker nach der Hodenentfernung zu verfolgen, wenn diese vor der Operation erhöht waren.
Erst mit den Ergebnissen aller dieser Untersuchungen, kann die Einteilung von Hodenkrebs in "Tumorstadien" erfolgen, die über Art, Ausmaß und Dauer der Behandlung bestimmen.
Wie ist die Therapie beim Seminom?
Werden beim Seminom nach der Hodenentfernung keine Metastasen nachgewiesen oder liegen nur kleine Metastasen vor, wird eine Strahlentherapie der Lymphknoten des Bauchraumes durchgeführt. Die Bestrahlung erfolgt in der Regel ambulant und wird gut vertragen.
Im Stadium I, d.h. es sind keine Lymphknoten befallen, erfolgt lediglich eine prophylaktische Bestrahlung der Lymphknoten entlang der Bauchschlagader, da hier in der 1. Lymphabflussstation ein gewisses Rezidivrisiko besteht, das durch eine relativ niedrig dosierte Bestrahlung von 26 Gy deutlich gesenkt werden kann.
Eine Alternative ist die "watch and wait"-Strategie, die jedoch eine hohe Verlässlichkeit des Patienten in der Nachsorge voraussetzt. Dabei wird in engen Intervallen der Verlauf der Erkrankung kontrolliert. Bei Auftreten eines Fortschreitens der Tumorkrankheit ist dann meist eine Chemotherapie notwendig.
Konnten Lymphknotenmetastasen von unter 5 cm Größe computertomografisch ("CT") nachgewiesen werden, erfolgt eine Bestrahlung sowohl der Bauch- als auch der Beckenlymphbahnen auf der Seite des Tumorbefalls. Die Dosis beträgt 30 Gy bei Lymphknoten unter 2 cm Durchmesser (Stadium II A) und 36 Gy bei einer Größe von 2 bis 5 cm.
Liegt ein fortgeschrittenes Stadium mit Lymphknotendurchmesser oberhalb von 5 cm vor, oder ist die Erkrankung in Organe wie Lunge, Leber oder Skelett vorgedrungen, muss in jedem Fall und möglichst rasch eine Chemotherapie begonnen werden. Diese erfolgt zumeist stationär. Die Nebenwirkungen sind je nach Ausmaß und Dauer der Chemotherapie unterschiedlich.
Wie ist die Therapie des Nichtseminoms?
Bei Nichtseminomen im sehr frühen Stadium, d.h. nur der Hoden ist befallen, erfolgt nach der Hodenentfernung entweder die operative Entfernung der Lymphknoten des hinteren Bauchraumes oder eine Chemotherapie. Eine Alternative dazu ist die ausschließliche engmaschige Überwachung ("watch and wait"). Dieses Vorgehen sollte aber nur unter speziellen Voraussetzungen durchgeführt werden und durch Ärzte erfolgen, die mit der Behandlung von Hodentumoren erfahren sind.
Sollten vergrößerte Lymphknoten im Bauch vorhanden sein, ist entweder die operative Entfernung oder eine Chemotherapie notwendig. Im fortgeschrittenen Stadium mit großen Lymphknoten im Bauchraum und/oder Tumorabsiedlungen in der Lunge oder anderen Organen ist eine Chemotherapie unumgänglich. Diese sollte unbedingt in einem spezialisierten Krankenhaus durchgeführt werden. Zur Zeit existiert zu dieser Therapie keine Alternative. Abweichungen von diesem Vorgehen vermindern nach dem derzeitigen Wissensstand die Heilungsaussichten erheblich.
Welche Heilungschancen habe ich?
Wenn man alle Stadien zusammenfasst liegt die Heilungschance bei 94%.
Sie unterscheidet sich natürlich in einzelnen Tumorstadien. Ihr Arzt wird Sie darüber informieren.
Wie lange dauert die Therapie?
Ist eine Chemotherapie notwendig, so ist die Behandlungsdauer von der Anzahl der Therapiezyklen abhängig. Über die bei Ihnen in Frage kommende Therapie informiert Sie der behandelnde Arzt.
Die Strahlentherapie wird in Abhängigkeit von der erforderlichen Dosis 2-4 Wochen dauern und wird an 5 Tagen pro Woche durchgeführt.
Eine operative Entfernung von Lymphknoten, Metastasen oder Restbefunden nach einer Chemotherapie erfordert bei unkompliziertem Verlauf einen Krankenhausaufenthalt von ca. 2 Wochen.
Wird die Zeugungsfähigkeit durch die Behandlung beeinträchtigt?
Häufig besteht bei Patienten mit einem Hodentumor eine eingeschränkte Zeugungsfähigkeit ("Fertilität").
Nach einer Chemotherapie kommt es abhängig von der Anzahl der Zyklen zu einer Schädigung der Spermienbildung. Diese ist allerdings bei den meisten Patienten reversibel. Bei der Bestrahlung ist diese Schädigung dosisabhängig. Auch die Entfernung von Lymphknoten des hinteren Bauchraumes ("RLA") kann die Zeugungsfähigkeit durch einen Verlust der Ejakulation beeinträchtigen.
Vor einer Chemo-, Strahlen- oder operativen Therapie können Spermien durch Einfrieren (Kryokonservierung) konserviert werden.
Die KBB Kryobank Berlin GmbH bietet Tumorpatienten die Kryokonservierung männlicher Keimzellen und deren Lagerung an.
Letzte Änderung am Donnerstag, 3. Februar 2011 um 15:22:28 Uhr.